Atemschutzgeräte (Filter und Pressluftatmer)

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."
Paracelsus 1493 - 1541

Nun, dieser sehr alte, dennoch für die Feuerwehr wichtige Satz hat auch heute noch seine Richtigkeit. Zum Beispiel bei einem Wohnungsbrand entstehen giftige Brandgase, insbesondere bei der Verbrennung von Kunststoffen werden Salzsäure, Blausäure, Dioxin und viele andere Stoffe freigesetzt. Um sich vor diesem hochgiftigen Brandrauch zu schützen, werden auf den Fahrzeugen der Feuerwehr Atemschutzgeräte vorgehalten. Hierbei kann zwischen leichtem und schwerem Atemschutz unterschieden werden.

  • Leichter Atemschutz
    Unter leichtem Atemschutz versteht man das Tragen einer Atemschutzmaske in Verbindung mit einem Filter.
    Einige Gifte lassen sich durch einen so genannten Atemschutzfilter aus der Umgebungsluft herausfiltern.
    Dies geschieht mit einem Schwebstofffilter oder auch Partikelfilter aus einem Zellstoff, der zuerst die groben Partikel aus der Luft festhält. Die zwei oberen Phasen sind mit einer Aktivkohle gefüllt, an der sich die giftigen Brandgase binden. Somit kann der Feuerwehrmann, zwar mit einem unangenehmen erhöhten Luftwiderstand, gereinigte Atemluft zu sich nehmen.
    Da dieses Gerät nur in Verbindung mit einem atembaren Luftgemisch verwendet werden kann, nennt man diese Art von Gerät auch "Umluftabhängiges" Atemschutzgerät.
    Diesbezüglich sind aber zwei wichtige Einsatzkriterien zu klären. Lässt sich der Stoff bzw. das Gift überhaupt durch den Filter aus der Umgebungsluft herausfiltern, und ist neben dem giftigen Soff überhaupt atembare Umgebungsluft vorhanden? Da die Fragen nicht immer durch den Einsatzleiter im vorhinein zu klären sind, sind Einsätze unter Anwendung eines Atemschutzfilter sehr selten geworden.

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  • Schwerer Atemschutz
    Um sich aber trotzdem vor diesen Giften zu schützen werden auf den Fahrzeugen der Feuerwehr schwerer Atemschutz sog. Pressluftatmer mitgeführt. Diese Einsatzgeräte ermöglichen dem Feuerwehrmann die Atmung von ca. 300 Bar gepresster Luft (also Umgebungsluft, nicht wie fälschlicher Weise oft behauptet Sauerstoff) aus einer 6 Liter Metallflasche, die er auf dem Rücken (Rucksacksystem) trägt. Durch einen Druckminderer wird der Druck der Flasche (300 Bar) auf einen Druck von 5-8 Bar reduziert, dass der Träger einen tiefen angenehmen Atemzug nehmen kann. Durch die Atmung aus einer Flasche, ist der Feuerwehrmann von seiner Umgebungsluft komplett isoliert, und kann je nach Anstrengung ca. 20 bis 45 min. arbeiten. Diesbezüglich nennt man diese Geräte "Umluftunabhängiges Atemschutzgerät".
    Die bei einem Brandeinsatz geforderten Einsatzaufgaben können von einem Feuerwehrmann nicht alleine bewältigen werden, darum werden bei Brandeinsätze immer zwei Feuerwehrleute (ein sog. Trupp) zur Brandbekämpfung eingesetzt.

    Damit sich ein Feuerwehrmann bei einem Brandeinsatz möglichst schnell mit einem Atemschutzgerät ausrüsten kann, können diese bereits auf der Anfahrt in der Kabine angelegt werden.

    Zuerst nimmt der Feuerwehrmann links oder rechts neben dem Pressluftatmer eine schwarze Dose zu sich.
     
     
    In dieser Dose befindet sich die eingeschweißte, desinfizierte Atemschutzmaske. Diese wird nun auf das Gesicht aufgezogen, und auf Dichtigkeit überprüft.
    Anschließend wird die Sog. Flammschutzhaube (Nomex) über die Maske übergezogen. Somit wird der Kopf vor einer Stichflamme geschützt.
    Der überdimensionale Kragen der Nomex-Jacke schützt ebenfalls vor einem Eindringen der Flammen.
     
     
    Nun wird der Feuerwehrhelm aufgezogen. Durch das Verschließen des Luftanschlusses mit der Handfläche, und dem gleichzeitigen Ansaugen der Luft, wird die Dichtigkeit der Maske überprüft.
    Erst jetzt wird die Halterung des Pressluftatmers geöffnet.
     
     
    Danach wird der Pressluftatmer wie ein Rucksack mit Bauchgurt angelegt.
    Der Lungenautomat wird nun in die Atemschutzmaske eingeschraubt. Eine Membrane im Lungenautomat ermöglicht es, durch den Atemzug des Feuerwehrmannes entstandenen Unterdruck, dass Luft in die Maske einströmt.
    Ist die Lunge des Atemschutzträgers mit Frischluft gefüllt, sinkt dabei der Unterdruck in der Maske, und lässt dadurch die Membrane in Ihre Normalstellung zurück. Gleichzeitig wird dadurch die Luftzufuhr zum Träger gestoppt.
    Zu guter Letzt, kontrolliert der Träger die Druckanzeige an seinem Gerät.
     
    Der Fortschritt der Technik ermöglicht es, dass der Flaschendruck digital, und sehr präzise angegeben werden kann. Zusätzlich wird in der Druckanzeige die errechnete Restarbeitszeit und ein Thermometer angezeigt.
     
    Ebenso wichtig sind die eingebauten akustischen Alarmgeber:
     
    Besitzt das Gerät nur noch einen Restdruck von 55 Bar, wird dem Träger visuell durch blinken und akustisch durch einen schrillen Pfeifton die Luftreserve angekündigt.
     
    Befindet sich der Träger einmal in einer Notsituation, kann er durch Drücken des gelben Alarmkopfes auf sich aufmerksam machen. Daraufhin ertönt ein lautes Warnsignal (ca. 105 dBA). Ist der Atemschutzträger bewusstlos geworden, bzw. bewegt sich eine Minute nicht mehr, gibt das Gerät automatisch einen sog. Totmann-Alarm aus. Ein zur Hilfeleistung bereitgestellter "Rettungstrupp" wird daraufhin sofort den Kollegen zur Hilfe eilen.
    Nun versorgt sich der Atemschutzträger mit der dementsprechenden Zusatzausrüstung, woran man die vielfältigen Einsatzaufgaben am besten erkennen kann:
     
    Zum einen trägt der Atemschutzgeräteträger seine eigene Schutzausrüstung (Helm, Nomex-Jacke (hält kurzfristigen Stichflammen stand), Nomex-Flammschutzhaube, Atemschutzmaske, Handschuhe, Einsatzhose, Schutzstiefel), welche ihn vor Stichflammen sowie mechanischen Verletzungen schützen sollen.
     
    Dazu kommen Hakengurt mit Feuerwehrbeil, Funkgerät, Einsatzmesser, Feuerwehraxt, Rettungsleine, Handlampe, Fluchthauben (siehe Bericht Fluchthaube) und eine Wärmebildkamera. Hinzu kommt aber noch der Pressluftatmer mit einem Gewicht von ca. 16 kg. Jetzt kann man sich ungefähr vorstellen, welch schwere körperliche Arbeit ein Feuerwehrmann bei einem Atemschutzeinsatz unter diesen Voraussetzungen leisten muss.

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  • Voraussetzungen für einen Atemschutzgeräteträger
    Aufgrund des äußerst eingeschränkten Sichtfeldes, der schweren Ausrüstung, sowie durch die dicke bewegungseinschränkende Einsatzjacke sind Atemschutzeinsätze für den Träger unglaublich belastend.
    Dazu kommt noch, dass durch die schwere körperliche Arbeit, sich die Körpertemperatur unter der dicken Nomex-Jacke erhöht, sowie der bis zu 1000 Grad Celsius heiße Brandherd auf den Feuerwehrmann einwirkt. Dies führt zu einer Erhöhung der eigenen Körperkerntemperatur. Das daraus resultierende Schwitzen um die Körperwärme zu reduzieren verursacht aber gegenteilig einen enormen Flüssigkeitsverlust. Die Erhöhung der Körpertemperatur sowie der Flüssigkeitsverlust führen unweigerlich zu einer extremen Körperbelastung des Atemschutzgeräteträgers, und kann daher nur von qualifizierten und gut trainierten Kameraden durchgeführt werden. Die Belastbarkeit muss regelmäßig in gewissen Abständen von einem Arzt überprüft werden.

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  • Überwachung der Einsatzdauer
    Durch die schwere körperliche Belastung erhöht sich die Atemfrequenz sowie das Atemvolumen. Deshalb schwindet der Luftvorrat aus dem Pressluftatmer rapide. Damit der Atemschutzträger aufgrund der vielseitigen Aufgaben nicht versehentlich vergessen kann seine Atemluftreserve komplett leer zu atmen, wird er von den Einsatzkräften draußen überwacht. Diese Überwachung nennt man Atemschutzregistrierung. Jeder Atemschutzgeräteträger muss bevor er in den Einsatz geht, durch einen Kameraden registriert werden. Dies geschieht durch einem Chip, den der Atemschutzgeräteträger bei sich trägt, und auf dem seine persönlichen Daten gespeichert sind. Der Chip wird in ein Atemschutzregistrierungsgerät eingelesen, welches daraufhin die Einsatzzeit des Trägers überwacht, und bei einer Überschreitung der Einsatzzeit ein Warnsignal abgibt. Der Kamerad, der für die Atemschutzüberwachung zuständig ist, hält den Kontakt zum arbeitenden Atemschutztrupp sowie zum Einsatzleiter aufrecht und schlägt im Notfall Alarm.

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  • Wärmebildkamera
    Das Mitführen einer Wärmebildkamera ermöglicht es dem Atemschutztrupp in stark verrauchten Räumlichkeiten schnell den Brandherd zu lokalisieren und zu bekämpfen.
     
    Gleichzeitig unterstützt die Kamera, aufgrund der starken Rauchentwicklung bei einer totalen Nullsicht, das schnelle Aufspüren von Personen, wie im Foto dargestellt. Allein die Körperwärme lässt die Personen in einer beheizten Halle hell erleuchten. Das kalte Hallentor wird dagegen schwarz angegeben.

(Bericht: Michael Almstetter)